Rundgang durch das Rathaus

Historie

Die Stadtverwaltung von Leeuwarden versammelt sich am heutigen Standort bereits seit dem Jahr 1618, in dem der Stadtrat die alte Auckamastins (eine Festung) an diesem Ort als Rathaus übernahm. Zuvor war die Stadtregierung unter anderem in der Grote Hoogstraat und in Waltahuis an der Straßenecke Nieuwestad und Herenwaltje untergebracht. Im Jahre 1713 war die Auckamastins verfallen und es wurde beschlossen, ein neues Rathaus am gleichen Ort zu bauen, das als "Juwel und Schmuck" dem "Glanz und der Ehre der Stadt" gerecht würde.

 

Im Jahr 1715 wurde ein neues Rathaus auf dem Fundament und den Kellern der alten stins (ein Steinhaus oder eine Festung) errichtet. Hier war der Fluss Ee kürzlich von einem Tunnel umschlossen worden, was zur Schaffung des geräumigen Raadhuisplein (Rathausplatz) führte. Diese große Freifläche gab dem neuen Rathaus den verdienten Reiz.

 

Dekorative Figuren über und rund um den Eingang sowie in der Fassade repräsentieren Kernfunktionen der Stadtverwaltung. Das Stadtwappen befindet sich in der Mitte des Giebels und ist umgeben von (von links nach rechts) Gesetz, Gerechtigkeit, Weisheit und Vorsehung. Über dem Eingang werden die lateinischen Worte "Pace et Justitia", Frieden und Gerechtigkeit, ebenfalls durch Figuren dargestellt, welche auf beiden Seiten der Eingangstür abgebildet sind. Auf der linken Seite sind Frieden und Fülle mit Ölzweig und Füllhorn vertreten. Auf der rechten Seite Justitia mit einem Hut in der linken Hand, einem Bündel Pfeile in der rechten und einer Katze zu ihren Füßen. Durch das große Fenster mit Gitter verkündeten die Stadtväter allen, die es hören wollten, ihre wichtigen Entscheidungen. Die dekorativen Schnitzereien aus Naturstein wurden vermutlich von Gerbrand van der Haven (vor 1690-1765) - einem in Leeuwarden geborenen Künstler - angefertigt; die Giebelbilder hingegen wurden von Pieter Nauta konzipiert und hergestellt. Die Glocken in der achtseitigen Kuppel, die 1687 von dem Amsterdamer Glockengießer Claude Frémy gegossen wurden, hingen ursprünglich im Neuen Turm an der Grote Hoogstraat, der 1884 zerstört wurde.

 

Der Stadtarchitekt Claes Bockes Balck (1683-1748) entwarf und baute das Rathaus von Leeuwarden. Der dreijährige Willem Carel Hendrik Friso (1711-1751), Sohn des verstorbenen Johan Willem Friso (1687-1711), legte den ersten Stein in Anwesenheit seiner Mutter, Prinzessin Maria Louise van Hessen Kassel (1688-1765) unter den wachsamen Augen einer Gruppe von Würdenträgern und Schaulustigen.

 

In den letzten 300 Jahren wurde das Rathaus mehrmals renoviert. Im Jahr 1760 wurde das angrenzende Gebäude an der Rückseite vergrößert. Pieter de Swart (1709-1772) entwarf den Rokoko-Giebel mit seinem großen und eindrucksvollen Leeuwarden-Löwen mit dem Neuen Ratssaal im zweiten Stock. Diesmal wurde der erste Stein von Robert van Hambroick (1708-1789), Hofmeister von Wilhelms Großmutter, Prinzessin Maria Louise, im Namen von Prinz Willem V. (1748-1806) gelegt.

Im Jahr 1845, fast einhundert Jahre später, wurde der Ratssaal in den Nieuwe Zaal (Neuer Saal) verlegt, der vom Stadtarchitekten Thomas Romein entworfen wurde. Zur gleichen Zeit erlebte die Fassade des Rathauses eine Metamorphose, als Romein große Empire-Stil-Rahmen in die Fenster einsetzte und die abgerundeten Stufen durch eine quadratische Variante ersetzte.

 

In jüngerer Zeit wurde das Rathaus im Jahr 2005 umfassend renoviert und umgebaut. Der Architekt Marc van Roosmalen erhielt den Auftrag, die Faszination und Erhabenheit des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert so weit wie möglich zu erhalten und gleichzeitig die Zugänglichkeit für Ratsmitglieder und die Öffentlichkeit zu verbessern. Der Haupteingang wurde in den im Jahr 1760 hinzugefügten Flügel verlegt. Durch ein modernes gläsernes Treppenhaus wurde das Rathaus mit der 1817 von Thomas Romein (1811-1881) errichteten Hoofdwacht (Wachhaus) verbunden, in dem Van Roosmalen den neuen Ratssaal errichtete. Prinzessin Margriet war die königliche Vertreterin, die am 27. Mai 2005 die feierliche Eröffnung des neu renovierten Rathauses vornahm.

 

Diese Publikation erzählt die reiche Geschichte des Rathauses von Leeuwarden durch seine besonderen Wanddekorationen, Ornamente, Gemälde und Möbel.

 

 

Zentrale Halle und alter Eingang

 

Vom Treppenhaus gelangt man durch eine Pforte in die zentrale Halle des Rathausgebäudes von 1715 mit seinem kostbaren weißen Marmorboden. Die wunderschön verputzte Decke mit dem Wappen von Leeuwarden in der Mitte wurde 1724 von den italienischen Stuckateuren Joseph Barberino und Gianbatista Albisetti geschaffen. Die Hauptversammlungsräume grenzten früher an diese Halle an. Von der Pforte aus gesehen, befinden sich auf der rechten Seite der Saal des Stadtrats und die Arbeitsräume des vorsitzenden Bürgermeisters, auf der linken der Raum der Beamten der Bürgerwehr und das Sekretariat. An den Wänden sieht man Porträts von führenden Bürgern, Adeligen und Stadtpatriziern. Der Raum ist mit einigen schönen Möbeln eingerichtet.

 

Von besonderem Interesse sind die Porträts vier ehemaliger Bürgermeister von Leeuwarden. Das älteste Porträt hängt rechts oben und stellt Wybe Gerrits Jegerhuis dar, porträtiert mit einem Buch in der Hand. In der rechten oberen Ecke befinden sich sein Familienwappen und eine Inschrift mit den wichtigen Funktionen, die er in der Stadtregierung innehatte. Wybe Gerrits Jelgerhuis wurde um 1460 geboren. Zwischen 1512 und 1533 war er mehrmals Bürgermeister. Auch sein Sohn Gerrit Wybes Jelgerhuis war Bürgermeister. Öffentliche Funktionen wurden oft innerhalb der führenden Familien der Stadt weitergegeben. Dies ist eines der ältesten bekannten friesischen Porträts, gemalt vor 1534, dem Todesjahr von Jelgerhuis.

 

Links und rechts vom Eingang zum Treppenhaus hängen die wichtigen Porträts von Pier Zeper und seiner zweiten Frau, Fenna Hesselink (1779-1848), die er 1797 heiratete. Sie sind gekleidet nach der Mode ihrer Zeit und wurden 1823 und 1826 von einem der bekanntesten Maler Frieslands, Willem Bartel van der Kooi (1768-1836) gemalt. Der 1761 geborene Pier Zeper und seine Familie besaßen unter anderem eine Seifenfabrik, von der sie ihren Familiennamen ("Seifenmacher") ableiteten. Nachdem er in den Tagen von Napoleon eine Reihe von Positionen in der Stadtregierung innegehabt hatte, wurde er schließlich im Jahr 1802 zum Drost (äquivalent zum Bürgermeister) von Leeuwarden gewählt. Unter König Willem I. diente er 1816 als Stadtrat und ein Jahr später als einer der vier Bürgermeister. Er starb im Jahr 1845.

 

Unter den Porträts stehen zwei wunderschöne Konsolen oder Wandtische mit einem Blatt aus Marmor, die um 1700 hergestellt wurden. Die Untergestelle der Tische sind aus Holz gefertigt, wunderschön geschnitzt mit Akanthusblättern, Monsterköpfen, Weinranken und Girlanden. Das geschnitzte Holz ist weiß lackiert, mit goldenen Akzenten.

An der linken Wand über dem Zentrum hängt ein Gemälde von Jonker (Junker) Willem Hendrik van Hambroick van Weleveld, der 1744 in Leeuwarden geboren wurde. Um 1785 von einem unbekannten Künstler porträtiert, wird Weleveld ganz nach der Mode mit einer grauen gepuderten Pferdeschwanz-Perücke dargestellt. Welevelds Vater war Hofmeister von Prinzessin Maria Louise van Hessen Kassel (1688-1765). Jonker Willem hatte auch Positionen am Hofe der Prinzessin inne und war Mitglied der Räte der Städte IJlst und Leeuwarden. Zwischen 1777 und 1794 war er Bürgermeister von Leeuwarden und Mitglied des Rates von Friesland. Willem van Hambroick starb 1822 in Den Haag.

 

Unten, links über der Bank, das Porträt von Jacobus Bourboom: geboren 1690 in Leeuwarden, mit einer modisch langen, grau gepuderten Perücke. Das Porträt wurde um 1740 von Bernardus Accama (± 1697-1756) gemalt, der hunderte von Porträts des Adels und der königlichen Familie herstellte. Bereits 1714 war Jacobus Bourboom Mitglied des Stadtrates von Leeuwarden. Danach war er weiterhin in verschiedenen Funktionen in der Stadtregierung tätig, unter anderem als schepen (vergleichbar mit einem Beigeordneten), während er mehrere Amtszeiten als Bürgermeister bekleidete. Er starb im Jahr 1764.

 

Die Bank unter dem Porträt von Jacobus Bourboom stand einst im Haus seines Bruders, Dr. Petrus Bourboom (1694-1780), und seiner Frau Gerbricht Reitsma, Tochter des Obersten Steuereintreibers von Friesland. Petrus Bourboom war Rechtsanwalt und bekleidete eine Reihe von öffentlichen Ämtern, darunter die des Generalstaatsanwalts von Friesland. Der obere Teil der weiß marmorierten Bank mit schön geschnitzten Schnörkeln zeigt das Allianzwappen von Bourboom Reitsma. Das Paar heiratete 1723 und die Bank wurde möglicherweise für diesen Anlass angefertigt. Ein beeindruckendes Möbelstück, das wahrscheinlich einmal an prominenter Stelle in ihrem Haus stand. Eine ähnliche, aber etwas ältere Bank, geschmückt mit dem Wappen einer unbekannten Familie, steht stolz auf der anderen Seite der Halle.

 

Besonders beeindruckend ist der Hochsitz im Stil Louis-quatorze aus Walnussholz neben der alten Zugangstür zum Treppenhaus. Die Rückenlehne trägt das gestickte Wappen von Leeuwarden, während ein unbekanntes Wappen das Sitzkissen schmückt. Dieser Zeremonienstuhl aus dem Jahr 1724 war für den Empfang des stadholder (d.h. des Statthalters der Vereinigten Provinzen der Niederlande) bestimmt. Zweifellos gab es einmal einen Tritthocker, der zu dem hohen Sitz gehörte; so saß der junge Statthalter buchstäblich "hoch erhoben" auf seinem Sitzplatz.

 

Über der weiß marmorierten Tür zum Treppenhaus ein grisaille (ein Gemälde in monochromen Tönen, meist grau oder braun), 2004 von Huub Kurvers (1940-2010) anlässlich der Restaurierung des Rathausgebäudes gemalt. Dargestellt ist der "Frieden, der Unruhe austreibt" mit dem Leeuwarden-Wappen auf der linken Seite. Es handelt sich um eine restaurierte Kopie des Originalgemäldes von Freerk Haijema aus dem Jahr 1715, mit einem zusätzlichen Text, der sich auf die Restaurierung bezieht. Haijemas Originalgemälde, welches sich in einem sehr schlechten Zustand befand, ist jetzt im Treppenhaus ausgestellt.

 

Die Zimmer um die zentrale Halle

 

Ratssaal

In diesem Raum neben der Eingangstür hielt der Stadtrat, ein von der Bürgerschaft gewähltes Organ, seine Sitzungen ab. Die Mitglieder dieses Rates wählten in der Regel aus ihrer Mitte vier Bürgermeister, von welchen der Vorsitzende das benachbarte Präsidentenzimmer neben der Pforte besetzt hielt. Gegenwärtig dienen beide Räume als Tagungssorte für die Ratsherren.

 

Im Rahmen der Restaurierung im Jahr 2005 erhielt der Ratssaal einen wunderschön gestalteten Wandteppich. Der Kaminofen aus Marmor im Rokoko-Stil wurde möglicherweise im Zusammenhang mit der Erweiterung des Rathauses im Jahre 1760 gebaut. Datiert von ca. 1715 zeigt das Gemälde über dem Kamin von Freerk Haijema eine Allegorie der Stadtregierung, die weitgehend der früheren Funktion des Raumes entspricht. Die weibliche Figur in der Mitte hält in der rechten Hand einen Stab mit einem Banner, das die Aufschrift "iubet & prohibet" (sie befiehlt und sie verbietet) trägt. Dies bezieht sich auf einen Text im römischen Recht, auf dessen Grundlage die Bürgerschaft die Gesetze festlegt und Verbote aufstellt. In ihrem Schoß liegt ein Buch mit dem Text "in legibus salus" welcher auf das lateinische Zitat "in legibus salus civitatis est" (das Wohl des Staates beruht auf Gesetzen) verweist. Der Cherub mit der Keule in der Hand ist Herkules, der schon von seiner Krippe aus Schlangen erschlagen hat und die Zerstörung des Bösen darstellt, während der Cherub mit dem Pfeilbündel die Einheit der Regierung darstellt.

Freerk Haijema malte auch das Gemälde, welches nun über der Tür hängt und zu der ursprünglichen Raumausstattung gehört. Es handelt sich um eine Allegorie der Schweigsamkeit (Stille), dargestellt durch eine Frau, die einen Finger an ihre Lippen hält. Neben der Tür steht ein hübscher Schrank aus dem späten 18. Jahrhundert im Rokoko-Stil, furniert mit Walnussholz.

 

Präsidentenzimmer

Das Präsidentenzimmer bewahrt nur wenige charakteristische Originalmerkmale, beherbergt aber eine Reihe von schönen Gemälden aus der städtischen Sammlung. Über dem Kamin hängt De jacht op het everzwijn (Die Wildschweinjagd) des Malers Jurijaen Jacobs (1624-1685), der sich auf das Malen von Jagdszenen spezialisierte. Ursprünglich aus Hamburg stammend, arbeitete er in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgreich als Hofmaler für den Statthalter Hendrik Casimir II. von Nassau Dietz (1657-1696). Die Wildschweinjagd - und speziell die Tötung des mythischen Kaledonischen Ebers - ist ein häufiges Thema der Drucke und Gemälde des 17. Jahrhunderts.

 

Links und rechts vom Kamin zwei Beispiele für den Malstil des Leeuwardener Malers Wytze de Haan (1804-1848) aus dem Jahr 1834. De Haan war ein echter Genremaler, der vor allem Szenen des täglichen Lebens malte. Das eine Gemälde zeigt einen Mann, der einen Vogel rupft und das andere eine stillende Mutter; ein Thema, welches unter den Genremalern Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts populär war. Die Rolle der Mutter in der Familie wurde immer wichtiger, wobei die Mutterschaft idealisiert wurde. Die soziale Stellung der Frau blieb jedoch weitgehend auf diese Rolle beschränkt.

 

An der Wand hängt außerdem noch ein Gemälde von 1712 mit einer seltenen Hafenszene von Rinse Verzijl. Die italianisierte Landschaft mit den Überresten eines römischen Tempels und der klassischen Statue atmet eine exotische Atmosphäre. Solche italianisierten Szenen wurden im 17. und 18. Jahrhundert sehr geschätzt. Über Rinse Verzijl ist wenig bekannt. Er wurde 1690 in Leeuwarden geboren und taucht nach 1720 in keinem Stadtarchiv mehr auf.

 

Die Räume auf der anderen Seite der Halle enthalten keine originalen Elemente, bemerkenswerten Gemälde oder Möbel. Der vordere Raum, der ehemalige Bürgerwehrraum, erhielt im Rahmen der Restaurierung 2005 eine moderne Täfelung.

 

Treppenhaus und Keller 

Die massive Eichentreppe mit ihren schönen Balustern wurde von den Bildhauern Benjamin Dijkstra und Pieter Nauta geschaffen, die auch die gemeißelten Figuren an der dreieckigen Fassade über dem Rathauseingang anfertigten. Die Treppe führt zunächst in den Ratssaal von 1760 und dann in den so genannten Blanke Ruim (ursprünglich ein Raum mit einem unlackiertem Boden aus blanken Brettern), der über der zentralen Halle liegt. Die Treppenhauswände sind mit verschiedenen Gemälden aus den Sammlungen der Stadt und dem Fries Museum geschmückt.

 

Unten, auf der Treppe zu den Kellern, weist die Wand eine Holzschnitzerei aus dem späten 18. Jahrhundert auf, die eine allegorische Darstellung der Geschichte Leeuwardens des leeuwardener Bildhauers Jacob Sijdses Bruinsma (1698-1763) zeigt. Er lernte das Handwerk von Pieter Nauta und dem Halbbruder seiner Mutter, Berend Storm, der ab 1710 der städtische Steinmetz war. In die Fußstapfen seines Onkels tretend, wurde Bruinsma später der städtische Steinmetz und Bildhauer.

 

Die bärtige Figur in der Mitte ist wahrscheinlich der Gott Poseidon oder Neptun mit abgebrochenem Dreizack. Die nackte Frau an seiner Seite mit dem Gefäß, aus dem Wasser fließt, stellt eine Flussnymphe dar. Symbolisch stellt Neptun die Seeschifffahrt dar, während die Flussnymphe möglicherweise für den Fluss Ee steht, der früher an der alten Auckamastins (der Aukema-Familienburg) vorbeifloss. Neptun sitzt auf einem Füllhorn.

Rechts unten ein Schwan mit Halsband und links in einer rocaille, einem Rokoko-Ornament, das Wappen von Leeuwarden, einem steigenden Löwen. Hinter Neptun und der Nymphe, rechts die Göttin Minerva oder Athene mit Helm, Brustpanzer und Speer als Symbol für Weisheit und Kunst, aber auch Krieg. Zur Linken schwebt ein Paar Engel in einer Wolke, einer von ihnen hält einen Spiegel, um den eine Schlange gewickelt ist.  Dies ist der Spiegel der Weisheit, während die Schlange Vorsicht symbolisiert. In der Luft schwebt Hermes, oder Merkur, als Symbol für den Handel. Das gesamte allegorische Bild symbolisiert Handel, Navigation und Landwirtschaft: die historischen Säulen von Leeuwardens Wohlstand.

 

 

Die Gewölbekeller der Auckamastins (Aukema-Familienburg), auf denen 1715 das Rathaus erbaut wurde, sind weitgehend erhalten und werden heutzutage für Empfänge genutzt. Es sind auch drei Zellen zu sehen, in denen jahrhundertelang wegen Diebstahl oder Misshandlung Verurteilte für mehrere Tage bei Brot und Wasser eingesperrt wurden. Kriminelle landeten oft am Pranger vor dem Rathaus. In der lokalen Sprache wurden diese unterirdischen Zellen allgemein als "Hondegat" (das Hundeloch) bezeichnet.

 

Zurück zum Treppenhaus. Das große Gemälde im Treppenhaus, welches 1742 von Rienk Keijert gemalt wurde, zeigt eine weitere allegorische Darstellung der Stadt Leeuwarden. Die junge Frau mit dem entblößten Busen in der Mitte porträtiert die Stadtpatronin. In ihrer Hand hält sie einen Stab, auf dem eine sogenannte frygische Mütze ruht, welche die Freiheit symbolisiert. Zu ihrer Linken steht Herkules, Symbol für Mut und Stärke. Rechts von der Patronin sehen wir eine weitere Frau mit entblößtem Busen und einem Spiegel in der Hand sowie einer Schlange, die um ihren Arm gewickelt ist. Das ist Prudentia, Symbol für Weisheit und Vorsicht.

Drei Engelchen tragen ebenfalls Symbole: ein Pfeilbündel als Sinnbild der gemeinsamen Stadtregierung, eine Geißel oder Peitsche verweist auf die Rechtsprechung mit den dazugehörigen Strafen und die Stimmmünzen wurden zur Wahl der Stadtbürgermeister verwendet. Zu Füßen der Stadtpatronin der Stimmbeutel aus blauem Samt, der das Bild des Wappens von Leeuwarden trägt. Diese Darstellung lässt übrigens auch einiges über die Art und Weise der Wahl erkennen.

Rienk Keijert (1709-1775) schuf eine Reihe von Gemälden für die Stadtregierung, unter anderem die Gemälde für die neue Ratshalle von 1760 (heute der Oranjezaal). Seine Porträts von Statthaltern, die ursprünglich in der Halle ausgestellt waren, verschwanden während der napoleonischen Ära (1795-1813), aber die darüber platzierten grisailles sind immer noch vorhanden. Wie viele Künstler seiner Zeit hatte er eine Reihe von Nebenbeschäftigungen: Er war Kammerherr für die Staaten von Friesland und Mitglied des Stadtrats von Leeuwarden. Es ist wahrscheinlich, dass das Gemälde im Treppenhaus einst einen prominenten Platz im Haus eines Beamten der Stadtverwaltung eingenommen hat. Dieses Gemälde von großem Interesse für Leeuwarden wurde 1974 vom Fries Museum bei einer Versteigerung in New York erworben.

 

Weiter die Treppe hinauf hängen zwei grisailles mit allegorischen Darstellungen nebeneinander, ebenfalls aus der Hand von Rienk Keijert. Der eine porträtiert den Triumph der Freiheit und des Friedens, der andere den Triumph der Liebe und des Glaubens. Beide grisailles zeigen zwei weibliche Figuren, zwischen denen ein trompetender Engel steht, der den gewöhnlichen Menschen den Triumph verkündet. Die Freiheit wird von einer Frau mit einem Freiheitshut auf einem Stab dargestellt, ähnlich wie zuvor in der Allegorie mit der Stadtpatronin zu sehen. Die Frau neben ihr steht für Frieden, der Schwan für Wohlstand und der Elefant für Stärke.

 

Auf dem anderen grisaille trägt eine der Frauen einen Globus in der Hand, während sie mit ihrer anderen Hand auf ihr Herz zeigt.  Sie ist die Personifizierung der Liebe. Die andere Frau ruht auf einem Löwen, einem Symbol der Macht, und trägt eine Krone auf dem Kopf. In ihrer rechten Hand hält sie eine Kette und repräsentiert so Glaube oder Hoffnung.

 

Etwas weiter hängt noch ein Gemälde von Rienk Keijert aus dem Jahre 1757, auf dem der Götzendienst des Königs Salomo abgebildet ist. Der kniende Mann in der Hermelinrobe ist Salomo, der ein Weihrauchgefäß in seinen Händen schwingt. Die Frauen um ihn herum bieten Blumen als Opfergabe vor dem Bild der heidnischen Göttin Astarte dar. Die Männer im Hintergrund sehen missbilligend zu. Am Ende seines Lebens fiel Salomo, möglicherweise unter dem Einfluss der vielen "heidnischen" Frauen in seinem Harem, dem Götzendienst anheim, sehr zum Schrecken der aufrechten Juden.

 

Das Blumenstillleben wurde 1778 von Sytse Roelofs Nicolai gemalt. Das Bouquet ist zusammengestellt aus Blumen verschiedener Jahreszeiten und enthält eine Pfingstrose, Narzissen und Chrysanthemen. Bei der Zusammenstellung ihrer Bouquets verwendeten die Künstler früher erstellte Studien oder Beispielbücher. Die Vögel fügen dem Gemälde ein exotisches Element hinzu. Das Gemälde enthält eine optische Täuschung. Der Künstler hat versucht, auf einer ebenen Fläche ein dreidimensionales Bild einer Nische zu schaffen, vor der das Bouquet von einem Band baumelt.

 

1736 in Drogeham geboren, wurde Sytle Roelofs Nicolai 1764 Bürger von Leeuwarden und wird in den Archiven auch als Dekorateur von Kutschen genannt. Er war wahrscheinlich recht wohlhabend, da sein Name in den öffentlichen Aufzeichnungen als Käufer von bedeutenden Gebäuden erscheint. Er starb 1779 in Leeuwarden "ganz plötzlich an den Röteln, hinterließ eine Witwe mit sechs Kindern und einem siebten auf dem Weg." Der Maler wurde höchstwahrscheinlich beauftragt, dieses Stillleben für die Ausstellung über dem Kamin in einem Haus in der Kruisstraat in Leeuwarden zu malen.


 

 

Der Blanke Ruim

Wenn man das Treppenhaus verlässt, betritt man den über der zentralen Halle gelegenen "Blanke Ruim" (heller oder weißer Raum), benannt nach seinem hellen Eichenboden. Türen auf der rechten Seite führen zu der ehemaligen Vertrekkamer (jetzt Sekretariat) und dem auf der Vorderseite gelegenen Ratssaal (jetzt das Büro des Bürgermeisters). Türen auf der linken Seite führen zum Nieuwe Zaal (Neue Halle), der 1847 gebaut wurde. Der Blanke Ruim enthält Selbstporträts friesischer Maler aus früheren Jahrhunderten sowie Porträts von Mitgliedern des friesischen Adels aus den Stadtsammlungen und dem Fries Museum.

 

 

An der rechten Wand hängt oben in der Mitte das Selbstporträt von Tjeerd Andringa, welches er um 1825 malte. Mit dem Bleistift in der Hand und vor einer Staffelei sitzend, zeigt er sich als Künstler. Dies zeigt auch die Gipsfigur im Hintergrund. Solche Figuren wurden oft verwendet, um den Schülern Zeichnungs- und Maltechniken beizubringen.

Geboren 1806 in Leeuwarden, studierte Tjeerd Andringa das Handwerk bei Willem Bartel van der Kooi (1768-1836) und anschließend in Amsterdam bei Cornelis Kruseman (1797-1857). Seine Lehrer gehörten zu den besten Porträtmalern ihrer Zeit. Andringa wurde als ein sehr vielversprechender Künstler angesehen, starb aber bereits jung im Jahr 1827 in Amsterdam an Tuberkulose.

 

Am Fenster das Selbstporträt eines weiteren vielversprechenden Künstlers, der jung verstarb, Dirk Jacobs Ploegsma. Er war befreundet mit dem Künstler Willem Bartel van der Kooi (1768-1836). Als Ploegsma 1791 im Alter von 22 Jahren starb, malte Van der Kooi ein Doppelporträt, auf welchem er auf das Porträt seines verstorbenen Freundes als sein leuchtendes Vorbild in der Malerei weist (Sammlung Fries Museum). Ploegsma porträtierte sich mit einer weißen Mütze auf dem Kopf, die linke Hand wie in einer Sprechgeste erhoben. Er beendete dieses Selbstporträt kurz vor seinem eigenen Tod.

 

Zwischen den Türen auf der rechten Seite hängt das Selbstporträt des Malers Jan Hendrik Heijmans aus dem Jahr 1852, selbstbewusst abgebildet in einem Sessel, den Daumen der linken Hand in seine Weste gehakt. Geboren 1806 in Leeuwarden, arbeitete Heijmans in Dresden, Deutschland, sowie in Zwolle und Leeuwarden in den Niederlanden. Er schuf dieses besondere Gemälde im Jahr seiner Abreise nach Arnheim, Niederlande, wo er 1888 starb. Eine seiner besten Arbeiten aus dem Jahr 1829 zeigt ein unbekanntes Mädchen in Blau mit friesischem Kopfschmuck und hängt auf der gegenüberliegenden Seite beim Fenster.

 

Links von der Tür zum Blanke Ruim, befinden sich die Porträts von zwei Schwestern aus dem 17. Jahrhundert: an der Rückwand Trijn van Walta und zwischen den Türen Wick van Walta, geboren um 1600. Sie wurden um 1620 von einem unbekannten Künstler in Ölfarbe auf Eichenholzplatten gemalt. Beide sind nach der Mode der Zeit gekleidet: Trijn trägt einen elisabethanischen Spitzenkragen und Wick ein beeindruckendes pinkrotes Kostüm mit einem aufrechten Spitzenkragen. Nach dem Schmuck, den sie tragen, handelt es sich offensichtlich um wohlhabende Frauen. Wick trägt sogar eine fünfreihige goldene Halskette, die von ihren Schultern bis zur Taille reicht. Die Familienwappen ihrer Eltern, Sijbren van Walta und Tjets van Holdinga, sind auf beiden Gemälden wiedergegeben.

 

An der Rückwand des Blanke Ruim steht zusätzlich ein Renaissance-Keeftkast aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Dies ist eine zweitürige Kommode aus Eichenholz mit Details aus Ebenholz. Die kunstvollen Schnitzereien an den Schranktüren bestehen aus Pilastern und Girlanden mit Masken, Blattranken und Bildern von kleinen Kindern, eine für den friesischen Keeftkast typische Dekoration. Der Name Keeftkast stammt aus dem Alt-Friesischen, vielleicht aus dem Wort Kievit (Kiebitz), ein Vogel, der sicher einst eine solche Truhe verziert hat.

 

Die Räume um den Blanke Ruim

 

Der Ratssaal

Der Ratssaal, heute das Büro des Bürgermeisters, war einst der wichtigste Saal des Rathauses, in dem der Stadtrat und der Magistrat, bestehend aus vier Bürgermeistern, sechs Ratsherren und zwei Architekten, versammelt waren. Derzeit ist der Raum ein umfassendes Kunstwerk mit einer verzierten Decke, einem Marmorkamin mit Kaminmalerei und Wandteppichen. Die Gestaltung des Raumes könnte möglicherweise dem französischen Architekten Anthony Coulon (1681/1684-1753) zugeschrieben werden, der sich auf den sogenannten Marot-Stil spezialisierte, benannt nach Daniël Marot (1661-1752). Dieser Architekt floh aus Frankreich und führte in Leeuwarden den barocken Stil Louis-quatorze ein. Die Dienste von Coulon und Marot wurden für königliche Bauprojekte in den Niederlanden, einschließlich der Erweiterung des Palais Huis ten Bosch in Den Haag im Jahre 1735, in Anspruch genommen.

Die Gemälde im Ratssaal stammen von Freerk Haijema und bilden seinen wichtigsten Beitrag zum Rathaus. Mit der Balustrade, die an den Seiten der Decke perspektivisch dargestellt wurde, schuf Haijema eine starke räumliche Wirkung. Die allegorische Darstellung an der Decke zeigt das Bündnis der Union oder die Utrechter Union (1579), in der die Sieben Niederländischen Provinzen sich in ihrem Widerstand gegen Spanien vereinigten und Vereinbarungen zur Verteidigung trafen. Der Pakt bildet die Grundlage für die spätere Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, der heutigen Niederlande. Die grisailles in den Ecken sind symbolische Darstellungen von Tugenden wie Schweigsamkeit, Tugend und Liebe. Die über der umgebenden Balustrade inmitten von Blumen und Früchten spielenden Kinder sind Symbole des Wohlstands.

 

Auch das Gemälde über dem Kamin ist eine Allegorie der guten Regierung. Die gekrönte Frau in der Mitte personifiziert die Republik, das Pfeilbündel in ihrer Hand repräsentiert die Einheit. Neben ihr steht Athena oder Minerva, Göttin der Künste und Wissenschaften, während der Mann auf der anderen Seite möglicherweise die Niederländer symbolisiert. Alle Figuren sind durch ein Band verbunden, ein weiteres Zeichen der Einheit. Ein Blumenstillleben in den Holzarbeiten über der Tür deutet möglicherweise auch auf die Einheit einer guten Regierung hin.

 

Die Wände sind mit Gobelins (Tapisserien) bedeckt, die die vier Teile der Welt darstellen: Europa, Asien, Afrika und Amerika. Obwohl Australien zu jener Zeit tatsächlich als Kontinent bekannt war, spielte es keine große Rolle. Die Kontinente, die auf diesen Wandteppichen abgebildet sind, repräsentieren die Welt zu der die Republik der Sieben Niederlande, also auch Leeuwarden, gehörte.

 

In der linken Ecke hängt Afrika. In der opulenten und exotischen Landschaft sind Menschen abgebildet. In der Mitte sitzt eine Frau neben einem Löwen. Sie trägt als Königin ein Zepter und einen Haarschmuck aus Federn. Hinter ihr steht eine dunkelhäutige Frau mit einer Schildkröte in der linken Hand und einem Bündel Getreide - einem Symbol für Landwirtschaft und Fruchtbarkeit - in ihrer Rechten. Mit einer Elefantenmaske auf dem Kopf verkörpert sie den afrikanischen Kontinent. Auf der rechten Seite steht ein alter Mann, der auf einem Krug lehnt, aus dem ein Wasserstrom fließt, ein Flussgott und möglicherweise ein Symbol des Nils.

 

Der große Wandteppich repräsentiert Europa. Wieder einmal ist eine opulente Landschaft mit vielen menschlichen Figuren zu sehen. Das Bild ist in drei Teile unterteilt. In der Mitte ein klassischer Baldachin mit drei Frauen darunter. Alle drei halten ein Zepter in der Hand. Sie werden links von einem Pferd mit einem geflügelten Reiter (Herold) und rechts von der Personifizierung eines Flusses flankiert. Die gekrönte Frau ist eine allegorische Darstellung Europas. Die Kronen zu ihren Füßen sind nicht nur ein allgemeiner Hinweis auf Ländereien oder Mächte, sondern - im Zusammenhang mit diesem Wandteppich - höchstwahrscheinlich auch ein Hinweis auf die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande. Im Vordergrund sind verschiedene Objekte und Attribute ausgebreitet, wie ein Globus (zeigt Indien), Bücher, Werkzeuge (ein Kompass, Lineal und Meißel), Musikinstrumente, eine Malerpalette und eine Porträtbüste, die die Künste und die Wissenschaft symbolisieren. Außerdem unterstreichen sie die erhöhte Position Europas im Vergleich zu anderen Teilen der Welt. Ganz links eine Frau mit Brustpanzer und Weltkugel mit dem Text omnibus unus (einer für alle), der die weltweite Einheit repräsentiert. Der rechte Teil des Wandteppichs zeigt das klassische Rom als Beispiel und Grundlage Europas.

 

Der Wandteppich links von der Tür repräsentiert Amerika. Das Dekor ist wieder eine üppige Landschaft mit menschlichen Figuren. Eine Frau mit einem flatternden Mantel, in der rechten Hand einen Federschmuck und einen nach unten weisenden Pfeil. Zu ihren Füßen liegt ein großes Krokodil. Rechts von ihr steht ein Mann mit einem Federschmuck und einem Bogen. Links auf dem Wandteppich sitzt ein anderer Mann, dunkelhäutiger, in Federn gekleidet, mit einem Bogen und einem Papagei. Hinter den beiden Männern sieht man das Heck eines Schiffes mit dem Namen "Fortuna" und das Jahr 1718, in dem die Wandteppiche geliefert wurden. Zur Rechten stehen Frauen, die in Federn gekleidet sind und Schmuck tragen. Im Vordergrund sind Pflanzen sowie exotische Muscheln und Tiere (Schlange, Schildkröte). Alle menschlichen und tierischen Figuren sowie das Schiff beziehen sich auf Nord- und Südamerika.  

 

Der Wandteppich auf der rechten Seite der Tür steht für Asien. Es zeigt ebenfalls eine Landschaft mit allen möglichen Figuren. Auf der rechten Seite sieht man ein Gebäude mit einem Baldachin und daneben einen Obelisken. Unter dem Baldachin steht eine Gruppe von Frauen und Männern in königlicher Kleidung mit Insignien wie einem Zepter und Attributen wie einem Diadem, einer Lanze oder einem Banner. Im Vordergrund ist eine Art Füllhorn mit einer Waffentrophäe sowie Blumen und Früchten dargestellt. Zur Linken liegt ein Kamel inmitten von drei Frauen, von denen eine auf dem Tier sitzt, gekrönt von einem Kranz aus Blumen und in der linken Hand ein Räuchergefäß haltend. Die anderen Frauen sind stehend dargestellt und halten einen Sonnenschirm, der die sitzende Frau schützt sowie einen Trinkbecher in Form einer Muschel. Die sitzende Frau repräsentiert möglicherweise Flora, die Göttin der Pflanzen, Blumen und Fruchtbarkeit. Das Kamel und die exotischen Figuren symbolisieren Asien. Diese Tapisserien, die im Atelier von Alexander Baart in Amsterdam entstanden, basieren wahrscheinlich auf Entwürfen des Malers Lodewijk van Schoor aus Antwerpen.

 

 

Vertrekkamer

Die Vertrekkamer (Sitzungssaal) war ursprünglich für Sitzungen von Ratsausschüssen gedacht. Jetzt beherbergt es das Sekretariat des Bürgermeisters. Optisch wird der Raum von dem riesigen Wandgemälde des Malers Harmen Wouters Beekkerk (1756-1796) aus dem Jahr 1788 beherrscht. Beekkerk malte Moses mit ausgestreckten Armen vor einer Gruppe von Israeliten in der Wüste. Die Mitte des Vordergrundes zeigt einen jungen Mann mit einer roten Toga und einen alten Mann mit Bart und Turban, während der Hintergrund den Tabernakel und die Bundeslade mit einer Rauchsäule darüber zeigt.

Das Kunstwerk illustriert eine Episode aus dem Leben von Moses, der während der Wanderungen durch die Wüste seine Geduld mit den murrenden Menschen verliert und sagt, dass die Last der Verantwortung zu schwer für ihn ist. Gott antwortet ihm: "Versammle siebzig von den Ältesten Israels vor mir, Männer, die du als Älteste des Volkes und Listenführer kennst; bring sie zum Offenbarungszelt! Dort sollen sie sich mit dir zusammen aufstellen."(Bibel: Das Buch Numeri, Kapitel 11).

Das Wandbild symbolisiert wahrscheinlich den Stadtrat, der den Bürgern zuhört. Beekkerk ließ sich von dem gigantischen Gemälde von Moses und den siebzig Ältesten in der 1735 von Jacob de Wit (1695-1754) geschaffenen Stadtratskammer des Amsterdamer Rathauses inspirieren.

Das Gemälde über dem Kamin wurde um 1720 von Freerk Haijema gemalt. Es ist eine Allegorie der Weisheit, dargestellt von Athene oder Minerva, der Göttin der Künste.

 

Nieuwe Zaal

Gegenüber des Ratssaales und der Vertrekkamer liegt der Nieuwe Zaal (Neuer Saal). Der Stadtarchitekt Thomas Romein wurde 1847 beauftragt, in diesem Raum einen Ratssaal zu schaffen. Er erstellte einen Entwurf im Empire-Stil - mit vielen in Kunstmarmor gehaltenen Wänden und Stuckarbeiten - der auch in vielen fürstlichen Gebäuden aus der gleichen Zeit zu finden ist. Der Deckenputz wurde von Jan Mertens aus Leeuwarden angefertigt.

Heute dient der Nieuwe Zaal als Versammlungsraum für das Gremium von Bürgermeister und Beigeordneten. Der Raum ist mit verschiedenen Porträts der königlichen Familie geschmückt: über dem Kamin ein Porträt von Prinzessin Beatrix (1938), das 1982 von Koosje van Keulen (1940-) gemalt wurde. Gegenüber ein Portrait der Großmutter von Beatrix, Königin Wilhelmina (1880-1962) - basierend auf einer Fotografie - das 1948 von dem Leeuwardener Künstler Dick Osinga (1913-1997) gemalt wurde.

 

Ebenfalls im Raum befinden sich die Porträts der ersten drei Herrscher aus dem Hause Oranje, nämlich jene von König Willem I. (1772-1843), König Willem II. (1792-1849) und König Willem III. (1817-1890). Auf der Grundlage von Porträts anderer Künstler wurden alle drei um 1860 von Johan Joeke Gabriël van Wicheren (1808-1897) gemalt.

 

 

Der Dachboden (dritte Etage)

Oben an der beeindruckenden Treppe befindet sich der Dachboden, auf dem sich bis 1970 das Stadtarchiv befand, bis es in ein Gebäude an der Grote Kerkstraat verlegt wurde. Seit 2007 ist das Stadtarchiv unter dem Namen Historisch Centrum Leeuwarden (HCL) am Groeneweg beheimatet.

An das Stadtarchiv erinnert noch der eingebaute Schubladenschrank im Raum vorne rechts. Der Bau des Schubladenschranks wurde 1838 von Wopke Eekhoff (1809-1880), dem ersten bezahlten städtischen Archivar in den Niederlanden, in Auftrag gegeben. Archivierte Gegenstände wurden in den vielen Schubladen aufbewahrt, während der Schrank nur mit zwei separaten Schlüsseln geöffnet werden konnte, die von zwei Pedells (kleineren Stadtbeamten) aufbewahrt wurden.

An der Wand im Raum hängen die Bleistiftzeichnungen aller Bürgermeister von Leeuwarden seit 1824. Zwei außergewöhnliche Gemälde von leeuwardener Stadtszenen sind auch zu sehen. Zwischen den Fenstern sieht man ein Gemälde, das eine romantisierte Ansicht der Kanzlei (1862) am Turfmarkt (Torfmarkt, ein Platz in Leeuwarden) zeigt, gemalt von Kasparus Karsen, (1810-1896). Das auf der rechten Seite gelegene Landschapshuis (Landschaftshaus) aus dem 16. Jahrhundert wurde um 1850 zerstört und durch das 1984 abgerissene Ritske Boelema Gasthuis ersetzt. An dieser Stelle steht heute ein Apartmentkomplex.

Das Kanzleramt selbst wurde in der Zeit von 1566 bis 1571 - angeblich auf Kosten des spanischen Königs Phillip II. - als Sitz des Hof van Friesland (das höchste richterliche Organ seinerzeit) errichtet.

Auf der rechten Seite eine Gemäldeansicht des Fischmarkts von Leeuwarden, der früher am Voorstreek abgehalten wurde. Wahrscheinlich um 1835 von dem Künstler Otto de Boer (1797-1856) gemalt, zeigt der Vordergrund die emsige Geschäftigkeit des Marktes, während der Hintergrund einen Blick auf die Koningsstraat zur Kanzlei freigibt. Die Stände des Fischmarkts wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgerissen, als der Markt auf die Oosterkade verlegt wurde. Der zweitürige Schrank links vom Eingang stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

 

  

Der Oranjezaal 

Im Treppenhaus führen Flügeltüren die zweite Treppe hinauf zum majestätischen Oranjezaal (Saal des Hauses von Oranien), der vom Hofarchitekten Pieter de Swart (1700-1772) entworfen wurde. Dieser Raum wurde im Rahmen der Renovierung und Erweiterung des Rathauses im Jahre 1760 zum Ratssaal umfunktioniert. Der neue Ratssaal ist mit Holzarbeiten im Rokokostil geschmückt, in denen große Freiräume für Porträts der sieben friesischen Statthalter, von denen zur Zeit nur sechs ausgestellt sind, freigelassen wurden. Die Flächen auf beiden Seiten des monumentalen Kamins wurden im 19. Jahrhundert durch große Fenster ersetzt. Über jedem Porträt und über den vier Doppeltüren ist der Raum mit grisailles geschmückt, mit symbolischen Darstellungen aus der Hand von Rienk Keijert (1709-1775), der zusammen mit Rienk Jelgerhuis (1729-1806) die Gemälde über den Türen schuf. Rienk Keijert war der Hauptdekorateur während der Erweiterung des Rathauses von 1760, so wie Freerk Haijema es von der ursprünglichen Konstruktion von 1715 war. Die symbolischen Darstellungen der grisailles verweisen alle auf eine gute Regierung. Patrioten entfernten Keijerts Porträts der Statthalter aus dem Rathaus und verbrannten diese 1795. Glücklicherweise wurden die grisailles verschont. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden die entstandenen leeren Flächen nach und nach mit Porträts aufeinander folgender niederländischer Herrscher gefüllt, die von prominenten friesischen Künstlern ihrer jeweiligen Zeit gemalt wurden.

 

Über dem Kamin prangt die Kopie eines Portraits von Prinzessin Maria Louise von Hessen Kassel (1688-1765), gemalt von Willem Bartel van der Kooi (1768-1836). Es wurde 1836 nach einem Porträt des friesischen Malers Mathijs Accama (1702-1783) aus der Zeit um 1760 angefertigt, auf dem die Prinzessin in Trauer dargestellt ist. Ihr Ehemann, Prinz Johan Willem Friso (1687-1711), ertrank in der Nähe der niederländischen Stadt Moerdijk während eines heftigen Sturms auf Hollands Diep (bis 1970 eine offene Bucht der Nordsee). Nach dem Tod ihres Mannes trat Maria Louise vorübergehend als Regentin für ihren Sohn Willem Karel Hendrik Friso (1711-1751) - dem späteren Willem IV. - auf, der schließlich 1731 Statthalter wurde. Maria Louise war sehr beliebt bei der einheimischen Bevölkerung, die sie Marijke Meu (liebe kleine Tante Maria) nannte.

 

Neben dem Kamin hängt das Porträt von König Willem I. (1772-1843), das 1832 von Willem Bartel van der Kooi gemalt wurde. Wie bei allen folgenden königlichen Porträts ist er in stehender Pose dargestellt. Der König, der vor einem Stuhl auf einem Podest steht, ist schlicht gekleidet in eine Militäruniform, die mit Schulter-Epauletten und einem Ordensabzeichen auf der Brust verziert ist.

 

Die grisaille über dem König, gemalt von Rienk Keijert, ist eine allegorische Darstellung verschiedener Tugenden, dargestellt durch weibliche Figuren auf Wolken: links Fortitudo (Stärke) mit Rüstung und Keulen und rechts die Tugend der Liebe, auf ihr Herz zeigend und mit einem Lorbeerkranz und einem Speer.

 

Zwischen den Türen befindet sich das Porträt von König Willem II. (1792-1849), das um 1865 von Johan Joeke Gabriël van Wicheren (1808-1897) gemalt wurde. Es ist die Kopie eines älteren Portraits aus dem Jahr 1841 von Jan Adam Kruseman (1804-1862), der ein gefeierter Porträtmaler der holländischen Gesellschaft war. Willem II trägt ebenfalls eine Uniform mit großen Schulterklappen. Doch im Gegensatz zu seinem Vater präsentiert er stolz eine ganze Reihe von Orden an seiner Brust und er wird mit den Symbolen seiner Regentschaft abgebildet: ein Hermelinmantel, eine Krone und ein Zepter.

Die grisaille über seinem Porträt weist auf die Kraft und Wachsamkeit der Sieben Vereinigten Niederlande hin. Zwei weibliche Figuren sitzen auf Wolken, zwischen ihnen befindet sich ein Medaillon in Form eines Lorbeerkranzes. Die Frau auf der linken Seite hält einen Helm, einen Speer und ein Schwert mit einer Schlange in ihren Händen, Attribute, die zu Minerva gehören und Fortitudo (Stärke) illustrieren. Die Frau rechts hat einen Spiegel in der Hand und ein Diadem auf dem Kopf, sie stellt Prudentia dar, deren Standardattribute ein Spiegel und eine Schlange sind. Der Kranz ist ein Siegerkranz aus Lorbeer, in dessen Mitte unter anderem eine Trophäe mit den sieben Flaggen der sieben Provinzen der Republik steht.

 

Neben dem Fenster das Porträt von König Willem III. (1817-1890), der wie sein Vater mit allen Symbolen seiner Regentschaft abgebildet ist. Dieses Porträt wurde ebenfalls um 1865 von Johan Joeke Gabriël van Wicheren gemalt, der es als Kopie eines Staatsportraits aus dem Jahr 1856 von Nicolaas Pieneman (1809-1860) herstellte. Die grisaille darüber zeigt die symbolische Darstellung von Weisheit und Schweigsamkeit. Schweigsamkeit hält einen Finger an ihren Mund und Weisheit wird mit entblößtem Busen und einer Opferschale dargestellt. Sie repräsentieren Ehrfurcht oder Großzügigkeit und die Einhaltung der Statuten der Republik der Sieben Niederlande.

 

Auf der rechten Seite des Kamins die Portraits der niederländischen Königinnen: Wilhelmina, Juliana und Emma. Königin Wilhelmina (1880-1962) wurde 1906 von dem aus Leeuwarden stammenden Künstler und Professor an der Amsterdamer Rijksacademie Johannes Hendricus Jurres (1875-1946) gemalt. Wie ihr Vater und Großvater ist sie mit den königlichen Insignien abgebildet. Über ihr hängt die grisaille, welche Sieg und Verhängnis oder einen Hinweis auf die siegreiche Republik der Sieben Vereinigten Niederlande und ihre Bedrohung - Vergänglichkeit oder Schicksal - darstellt.

Wieder zwei sitzende Frauengestalten mit einem Medaillon in Form eines Lorbeerkranzes dazwischen. Auf der linken Seite sitzt wahrscheinlich die Göttin Nike mit Lorbeerkranz und Mistel- oder Olivenzweig, ein Symbol des Sieges. Rechts eine Frau mit einem Vogel (Taube oder Rabe) auf ihrer Hand und einem Stern über ihrem Kopf, wahrscheinlich die Darstellung von Verhängnis oder Schicksal. In der Mitte des Kranzes eine Trophäe und darüber ein Auge (in einer Wolke), darunter ein Schwert, ein Lorbeerzweig und eine Schriftrolle. Im Allgemeinen symbolisiert ein Auge in einer Wolke oder einem Dreieck das alles sehende göttliche Auge sowie die Dreieinigkeit: Hier deutet es wohl die Einheit der Republik an.

 

Das Porträt von Königin Juliana (1909-2004) wurde 1949 von Piet van der Hem (1885-1961) gemalt. Auch sie steht auf einem Podest vor einem Stuhl. Das einzige königliche Attribut: der Hermelinmantel. Ihr Porträt ist deutlich heller als die anderen Portraits. Über dem Porträt ist die grisaille mit der symbolischen Darstellung der Freiheit (Frau mit Freiheitskappe) und der Religion sowie dem Sprichwort "Je maintiendrai" (ich werde standhalten) zu finden. Im Medaillon wird die Hand Gottes gezeigt, die auf die religiöse Freiheit in der Republik und ihre  Fortdauer unter der Autorität des Hauses Oranje hinweist.

Schließlich, am Fenster im vorderen Giebel, ein Porträt von Königin / Regentin Emma (1858-1934), gemalt von Christoffel Bisschop (1828-1904) im Jahre 1893. Er gilt als einer der führenden Maler seiner Zeit, spezialisiert auf große prunkvolle Stillleben in der Tradition des 17. Jahrhunderts. Geboren in Leeuwarden - genau wie Piet van der Hem - porträtierte er die Königin auf einem Podest stehend in einem schwarzen Ensemble mit Gefolge. Der einzige Akzent wird durch den roten Vorhang gegeben.

Über ihrem Porträt hängt eine allegorische Darstellung der Regierung von Stadt und Staat. Auch hier wieder zwei weibliche Figuren mit einem Medaillon dazwischen. Die Frau mit dem entblößten Busen symbolisiert die Stadtpatronin, aber auch die Patronin der Niederlande, das Pfeilbündel die Einheit der Provinzen in der Republik.

 

Neben dem Porträt von König Willem I. zeigt das Gemälde von Keijert und Jelgerhuis eine Frau mit Helm. In ihrer rechten Hand Palmzweige, welche in eine Schleife eingewickelt sind, auf der in Latein die Worte "Pro lege et grege fidelis" (treu für das Gesetz und das Volk) geschrieben stehen.

Andere Symbole verweisen auf das gleiche Denkbild, wie die Skala der Gerechtigkeit. Zwischen den Königen Willem II. und Willem III. die Darstellung einer Frau mit einem Olivenzweig in der einen Hand und in der anderen ein in eine Schriftrolle eingewickeltes Zepter, auf dem "Juste Regendo" geschrieben steht (um gut zu regieren). In ihrem Schoß liegt eine offene Bibel und sie sitzt am Ruder eines Schiffes mit einem Kompass und Fesseln neben ihr. Ihr wird ein Ehrenkranz dargeboten. Sie ist die Personifizierung von Frieden und Gerechtigkeit.

Das Gemälde neben Königin Wilhelmina ist eine Allegorie von Sicherheit, Stärke und Ordnung, die durch Symbole aller Art (Löwen, Handschellen usw.) dargestellt wird und durch das Band mit der Inschrift "Securitas publica" (Öffentliche Sicherheit) betont wird.

Schließlich, zwischen den Königinnen Juliana und Emma eine Allegorie von Fülle und Einigkeit, in welcher Fülle durch mit Schätzen und Früchten gefüllte Füllhörner dargestellt wird, während die Einheit unter anderem durch das Pfeilbündel repräsentiert wird. Das Band mit der Aufschrift "Antiqua virtute et fide" (Durch die Macht der alten Tugenden und des Glaubens) betont erneut die Botschaft der Allegorie.

 

In den Ecken der wunderschön verputzten Decke finden sich Darstellungen, die das Programm für eine gute Regierung von Stadt und Staat betonen. Wir bemerken Symbole, die an anderer Stelle im Gebäude wiederholt werden, einschließlich Prudentia mit Spiegel und Schlange, Justitia mit einer Waage, Überfluss, Liebe und Glaube mit ihrer Hand auf dem Herzen. Die Verputzarbeiten stammen von John Baptist Singer, der auch an den Rathäusern von Sneek, Workum und Franeker in der Provinz Friesland arbeitete.

 

Bei der Restaurierung 2005 wurde der Ratssaal in Oranjezaal umbenannt. Er ist eine beliebte Lokation für Hochzeiten und wird häufig auch für andere festliche Anlässe verwendet.

 

 

Treppenhaus 

Vom Oranjezaal aus betritt man das Treppenhaus, welches bei der Restaurierung des Rathauskomplexes im Jahr 2005 als Verbindung zwischen dem alten Ratssaal und dem neuen in der Hoofdwacht gestaltet wurde. Das Treppenhaus mit Aufzugsschacht besteht aus einer leichten Stahlkonstruktion, die in Glas eingefasst ist und sich im alten Innenhof befindet. In dem schräg aufgestellten Holzkubus auf Beinen sind die sanitären Anlagen untergebracht.

 

 

 

 

Der Ratssaal 

Beim Verlassen des Treppenhauses betritt man den Ratssaal mit seiner modernen Sitzordnung, die aus drei ovalen Ringen besteht und einen großzügigen Sitzbereich für das Publikum bietet. Der neue Ratssaal wurde geschickt in die Hoofdwacht neben dem alten Rathaus integriert. Die Hoofdwacht-Fassade im neoklassizistischen Stil des Architekten Thomas Romein fällt durch ihre stuckverzierten Fassaden, Säulen und Bogenfenster auf.

 

Obwohl dieses Gebäude aus dem Jahr 1845 stammt, befand sich hier bereits seit 1688 ein Wachhaus, in dem die königliche Garde untergebracht war, welche für die Bewachung des nahe gelegenen königlichen Palastes verantwortlich war. In späteren Zeiten diente das Gebäude unter anderem als Amtsgericht, Polizeistation und auch kommunale Dienste waren hier untergebracht. Neben dem neuen Ratssaal beherbergt die Hoofdwacht einige politische Parteibüros sowie einige andere Büro- und Besprechungsräume.

 

 

 

Bekannte Leeuwarder in der Eingangshalle 

Der Rathauseingang befindet sich im Seitenflügel, der 1760 im Stil Louis-quinze oder im Rokokostil erbaut wurde. Das Design stammt vom königlichen Architekten Pieter de Swart (1709-1772), der auch für den Bau des Palais Lange Voorhout (heute Museum Escher in Het Paleis) und des Königlichen Theaters Koninklijke Schouwburg in Den Haag verantwortlich war. Der städtische Bauunternehmer Jan Nooteboom (1734-1812) wurde mit der Ausführung beauftragt und nahm einige kleine Änderungen am Entwurf vor.

 

In der Eingangshalle sind 28 Porträts berühmter Bürger von Leeuwarden zu sehen. Hier sind neben den Porträts verschiedener friesischer Statthalter auch die Porträts von Saskia van Uylenburgh (1612-1642), der früh verstorbenen Frau von Rembrandt van Rijn (1606-1669) und der berüchtigten Mata Hari zu sehen. Geboren als Margaretha Geertruida Zelle in Leeuwarden im Jahr 1876, wurde Mata Hari, wie sie sich später nannte, als vermeintliche Spionin von einem Erschießungskommando in Vincennes bei Paris im Jahr 1917 hingerichtet.

 

Außerdem sind an der Decke die Maler Lourens Alma Tadema (1836-1912) und Gerrit Benner (1897-1981) zu sehen, zusammen mit den Schriftstellern Jan Jacob Slauerhoff (1898-1936) und Sjoukje Bokma de Boer, Pseudonym der Nienke van Hichtum (1860-1939), Ehefrau des ebenfalls in Leeuwarden geborenen Politikers Pieter Jelles Troelstra (1860-1930). Die Deckenpaneele wurden von Berber van den Brink von der Firma Loft Webdesign en Grafische Vormgeving entworfen.

 

Impressum 

Text: Gert Elzinga, unter redaktioneller Betreuung des Historischen Zentrums von Leeuwarden (HCL).

Design: Richard Bos

Fotos: Harrie Muis, Fotobureau Het Hoge Noorden, Joop van Reeken Fotografie